Ab 26. September 2021 finden in Lenzburg wieder Bluegrass-Treffs statt!

25 Jun

Bekanntlich hat der Bundesrat am 23. Juni einen weitergehenden Öffnungsschritt verkündet, der uns die Durchführung unserer Bluegrass-Treffs wieder ermöglicht. Nach der Sommerpause geht es am 26. September wieder los. Selbstverständlich halten wir uns weiterhin an die behördlichen Vorschriften. Wir freuen uns, unsere Musikerfreunde, Mitglieder und Gäste wieder treffen zu können!

Rudolf «Ruedi»/«Hank» Dettwiler, Protagonist des 5-String-Banjos in Europa. (5.2.1945–2.2.2021)

20 Feb

Rudolf  «Ruedi»/«Hank» Dettwiler war der erste Bluegrass-Style 5-Saiten-Banjo-Picker in der Schweiz und vielleicht in ganz Kontinentaleuropa. Er interessierte sich schon als Teenager für das Instrument und musste sich auf Quellen aus dem Ausland stützen, um seiner Leidenschaft zu frönen. Er beschaffte ein Banjo per Versandhandel aus England und erhielt Unterrichtsmaterialien («How to play the 5-string Banjo/Pete Seeger») aus den Vereinigten Staaten. 1962 schloss er sich dem bereits bestehenden Duo Bill Bohn und Peter Gisin an und das Trio nannte sich The Country Pickers. In dem Bestreben dem Genre der Zeit gerecht zu werden, nahm Ruedi den Künstlernamen «Hank» an. Die Gruppe trat in den frühen und mittleren 1960er Jahren auf und nahm sich dann eine Auszeit, um sich um die wachsenden Familien zu kümmern. Ein Höhepunkt in dieser Zeit war Ruedis Gelegenheit, die Stanley Brothers, die New Lost City Ramblers, Roscoe Holcomb und Cousin Emmy persönlich zu sehen, als das Festival of American Folk and Country Music Tour am 20. März 1966 in Basel auftrat.

Die Country Pickers wurden in den 1970er Jahren neu gegründet und bestanden bis 1996. Die Band entwickelte sich 1983 von einem Trio zu einem Quartett, als Ruedis Sohn Paolo am Bass eintrat und später zur Mandoline wechselte. Ebenfalls kam später eine Dobro hinzu, um den Bluegrass-Sound der Gruppe zu erweitern. Während seiner Zeit bei den Country Pickers half Ruedi bei der Aufnahme von zwei Alben: «Happy Days» 1986 und «East to West» 1990. Ruedis dreissigjähriges Engagement in der Gruppe endete mit seinem Ausscheiden aus der Musik im Jahr 1992. Er gab bei der Neugründung der Formation im Winter 2010 ein kurzes Reunion-Gastspiel. Rudolf «Ruedi»/«Hank» Dettwiler starb im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Text: Gary B. Reid * / Foto: zvg

* Gary B. Reid ist der führende Stanley Brothers-Experte und mehrfacher Preisträger der IBMA.

 

Umzug des Bluegrass-Treffs

29 Mrz

Als Folge seines grossartigen Erfolges zieht der Bluegrass-Treff, der in den letzten fünf Jahren im Cholerahaus in Lenzburg stattgefunden hat, um.  Einige Mitglieder der SBMA Bluegrass-Treff Gruppe traten mit der Idee an den Vorstand heran, den Treff in ein grösseres Lokal zu verlegen, da die Platzverhältnisse im Cholerahaus infolge vieler Besucher zu eng geworden sind. Markus und Lilo Schildknecht haben in der Heilpädagogischen Schule, Dragonerstrasse 24 in Lenzburg neue Räumlichkeiten gefunden, die das Platzproblem lösen können. Im Januar wurde in der Gruppe darüber abgestimmt, ob der Bluegrass-Treff an diesen neuen Ort verlegt werden soll. Der Vorstand hat beschlossen, diesem Wunsch zu entsprechen.

Leider verhinderte die Corona-Pandemie einen reibungslosen Umzug an den neuen Ort. So wie es im Moment aussieht, wird der nächste Bluegrass-Treff am 27. September stattfinden. Um die Teilnehmer entsprechend zu schützen werden Markus und Lilo Schildknecht alle notwendigen Sicherheitsmassnahmen vorkehren. Damit die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden können, ist eine vorgängige Anmeldung unumgänglich! (m.schildknecht@pop.agri.ch oder 062 891 78 51)!

Text: Beat Heri

Der sanfte Riese ist nicht mehr – Geri Stocker gestorben.

18 Dez

(hpf) Diese Tage erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied Geri Stocker am 10. Dezember im Alter von 69 Jahren völlig überraschend verstorben ist. Der studierte Zoologe war bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren als Musikredaktor bei Schweizer Radio SRF tätig. In dieser Funktion hat er u.a. viele Jahre die beliebte Sendung «Country Special» betreut. Geri war in der Schweizer Bluegrass-Szene ein bekanntes Gesicht und zusammen mit seiner Frau Christine oft an Konzerten und Festivals anzutreffen. Sein zweites wichtiges Hobby neben der Musik war die Fotografie, die er mit einigem Erfolg betrieb, wie zahlreiche Ausstellungen und Publikationen belegen.

Die Swiss Bluegrass Music Association spricht Geris Angehörigen und Freunden ihr aufrichtiges Beileid aus. Eine ausführliche Würdigung folgt in der März-Ausgabe der SBMA News.

Hinweis: Am Montag, 13. Januar 2020, 15.00 Uhr, findet in der Aula des Naturhistorischen Museums Basel (Augustinergasse 2), eine Abschiedsfeier für Geris Freunde und Bekannte aus dem In- und Ausland statt.

The Millers – Ambassadoren der Bluegrass Musik

27 Nov

Kent und Rosi Miller sind seit vielen Jahren in Sachen Bluegrass Musik unterwegs. Sie helfen mit ihrem grossen Engagement mit, Bluegrass Musik einer breiteren Bevölkerungsschicht näher zu bringen. Seit Jahrzehnten widmen sie ihre Zeit diesem Ziel.

So betreuten, beherbergten und bekochten sie unzählige ausländische, vornehmlich amerikanische Spitzenbands, welche im Rahmen von SBMA-Konzerten die Schweiz besuchten und legten den Grundstein für wunderbare Freundschaften mit amerikanischen Grössen dieser Musik.

Kent stellte sich sechszehn Jahre im Vorstand der Swiss Bluegrass Music Association zur Verfügung. Davon – als Not am Mann war – fünf Jahre als Präsident! Auch Rosi sprang immer wieder mit ihrer Arbeitskraft in all diesen Jahren als Betreuerin, Beraterin und als Helferin an unzähligen Anlässen ein! Kein Anlass, an dem sie nicht mit schönen Dekos Hand anlegt und gute Ideen beisteuert. Die beiden wurden für ihre grossen Verdienste zu Ehrenmitgliedern der SBMA ernannt.

Seit zehn Jahren arbeitet Kent Miller als Redaktor und Moderator bei Country Radio Switzerland. Seine Sendungen «The SBMA Bluegrass Show» werden jeweils an Sonntagabenden um 19 Uhr und am Montag Nachmittagen um 15 Uhr als Wiederholungen ausgestrahlt. Auf dieser Webseite (www.bluegrass.ch/radio) können die neuesten Ausgaben auch als Podcast angehört werden.

Seit Jahren sind sie als «The Millers» unterwegs und erfreuen unzählige Zuhörer an Festivals, an Konzerten im kleinen wie auch im grossen Rahmen und haben viele Freunde und Fans für die Bluegrass Musik gewonnen.

Ernst Schulthess hat mit dem Film «The Millers» ihre Arbeit für die Bluegrass Szene in der Schweiz gewürdigt.

Beat Heri

Europäische Bluegrass Pioniere aus der Schweiz: die Country Ramblers

12 Nov

Die Ende der 1960er Jahre gegründete Schweizer Bluegrass Band Country Ramblers ist heute die älteste aktive Bluegrass Gruppe in unserem Land. Ihre hochstehende Qualität und die Tatsache, dass sie so früh als erste Schweizer Bluegrass Band diese Musik in die Welt hinaustrugen, liess sie zu Pionieren der europäischen Bluegrass-Szene werden.

Die Anfänge der Country Ramblers gehen weit zurück. 1969 lernten sich drei Studenten der Nationalökonomie kennen. Gitarren- und Mandolinenzauberer Tom Matejovsky freundete sich mit Daniel Perret an, der Gitarre, schottischen Dudelsack und Tinwhistle spielte. Tom war im August 1968, nach dem Einmarsch der Truppen der Sowjetunion, Polen, Ungarn und Bulgarien in seine Heimat, aus Prag in die Schweiz gekommen. In seiner alten Heimat war er Mitglied einer Rockband. Kurze Zeit später stiess Urs von Arx, Banjo-Picker und Earl Scruggs-Fan, dazu. Urs war Austauschstudent in den USA und hatte von dort seine Liebe zum 5-String-Banjo mitgebracht. Alle drei waren grosse Verehrer von Doc Watson, den sie von Schallplatten her kannten.

Man traf sich regelmässig zum Musizieren. Schon bald traten sie im AMIV-Keller an der ETH auf, wo der British & American Folk Music Club seine wöchentlichen Treffs hatte. Besucher dieses Clubs waren damals auch Erwin Bucher – er spielte Mundharmonika, Gitarre und später auch Mandoline – und Roland Ambühl, seine Instrumente waren das 5-String-Banjo und die Gitarre. Diese beiden wurden Mitglieder und komplettierten die Band. Da das 5-String bereits «besetzt» war, lernte Roland Fiddle spielen. Dazu kamen später noch die Mandoline und die Mundharmonika. Von ihm sagt man, dass er so ziemlich alles spielen kann, «was gerade so herumliegt».

Country Ramblers 1971 in Brest

Das Quintett, welches sich in Anlehnung an die New Lost City Ramblers nun Country Ramblers nannte, übte fleissig. 1969, im Gründungsjahr, traten sie im Rahmen der Konzerte des Folkclubs Zürich erstmals öffentlich auf. Das vielseitige Repertoire ermöglichte es der Band, durch alle möglichen Kleintheater und Kulturkeller der Deutschschweiz zu ziehen.

Bereits 1971 sammelten sie internationale Erfahrungen. Sie erhielten- Engagements in Paris und am äussersten Zipfel Frankreichs, in Brest. Im dritten Jahr nach der Bandgründung gaben sie ihre erste Schallplatte, «Lonesome Sound», heraus. Sie wurde am 27. und 28. Mai 1972 von Fredi Zemp in der Aula Ramibühl in Zürich aufgezeichnet. Die Auflage von 1000 Stück wurde an ihren Konzerten sehr erfolgreich verkauft. In diese Zeit fielen auch die ersten Fernsehaufnahmen mit dem Schweizer Fernsehen. Die Ramblers entschlossen sich mit Aufnahmematerial, die sie in der Saison 1972/73 an verschiedenen Konzerten gemacht hatten, in den von den Beatles gegründeten Apple Studios in London mastern zu lassen. Die zweite Vinyl-Scheibe «Bellevue Square Dance» erschien 1973.

Nach den ersten erfolgreichen Jahren häuften sich innerhalb der Band die Diskussionen um die musikalische Ausrichtung. Im September 1974 erfolgte die Auflösung. Urs von Arx und Tom Matejovsky wollten der Bluegrass Musik treu bleiben und machten zu zweit weiter. Schon kurz darauf erhielten sie Verstärkung. Der ehemalige Bluesmusiker und Gitarrist Edy Schreyer, der später auch Dobro spielte, gesellte sich zu dem Duo. Auch Roland Ambühl trat wieder in die Band ein.

Die nächsten Jahre stellten wohl die erste Blütezeit der Country Ramblers dar. Edy Schreyer brachte neben seinem Talent auch gute Beziehungen ein. Ein Vertrag mit BASF eröffnete die Möglichkeit, erste Studioaufnahmen zu machen. Das Resultat dieser 1975 im Berner Sinus Studio aufgenommenen Takes war die dritte Vinyl-Scheibe, die unter dem Titel «Daybreak» erschienen ist. In der Folge erschienen drei weitere Vinyl-Scheiben (1976 «Heartbreakers», 1976 «Best Of» und ab 1978 mit «America» erschienen ihr Platten unter dem Label Gold Records).

Es folgten viele Auftritte im In- und Ausland. Die humorvollen Ansagen von Edy sorgten für gute Laune. Die lockere Bühnenpräsenz und der eigene Sound wurden die Markenzeichen der Ramblers. Tom Matejovsky sagt dazu auch heute noch, dass der Spass beim Musikmachen in der Band immer im Vordergrund stand. Das kam beim zahlreichen Publikum sehr gut an.

Die Medienpräsenz war in dieser Phase sehr gross. Sogar im Mutterland des Bluegrass erschienen in den Fachzeitschriften «Pickin’» und «Bluegrass Unlimited» Artikel und Plattenrezensionen. Als sie 1977 vom Herausgeber des «Bluegrass Unlimited» Magazin Pete Kuykendall eingeladen wurden, um auf einem Festival in Indian Springs zu spielen, nutzte die Band diese Gelegenheit für weitere Auftritte in den Vereinigten Staaten. Während dieser Tournee traten sie untern anderem auch an Ralph Stanleys Festival in McClure in Virginia auf. Dort trafen sie Bill Monroe, der sie spontan ins Opryland einlud und auch an seinem Bluegrass-Festival in Bean Blossom in Indiana aufzutreten.

Um die Jahrzehntwende verliess Banjo-Picker Urs von Arx die Band aus beruflichen Gründen in Richtung USA und wurde zuerst von Bobby Lauer, danach von Peter Schück ersetzt. Der Beitritt des Bassisten Markus Fritzsche machte die Gruppe zum Quintett und brachte einen weiteren wesentlichen Schub an Professionalität. Nicht nur mit seinem herausragenden Bassspiel; er legte auch sehr viel Wert auf die Harmonien und Phrasierung im Gesang. In dieser Formation holten sie 1981 am Marlboro-Festival of Country Music in Zürich den ersten Platz. Und in demselben Jahr folgte eine weitere LP, «Bluegrass Festival In The Sky». In der darauffolgenden Zeit war die Band sehr aktiv, spielten unzählige Konzert im In- und Ausland. Ein weiterer Höhepunkt in der glanzvollen Karriere stellte 1985 die goldene Schallplatte für über 25’000 in der Schweiz verkaufte Tonträger dar. Einmalig für eine Schweizer Bluegrass Band! Anlässlich dieser Verleihung erschien eine weitere Schallplatte – «15 Golden Years» – mit Samplern des Schaffens aus den Jahren 1970 – 1985. Die 1987 aufgenommene Scheibe «Picking The Line», nun wieder mit Urs von Arx am Banjo, stellte einen weiteren Höhepunkt in bezug auf Qualität und Produktion dar.

1989 schied der Kleinbasler Edy Schreyer aus gesundheitlichen Gründen aus der Band aus. Er erlag 1998 seiner schweren Krankheit. Edy Schreyer hinterliess eine grosse Lücke. Die Gruppe war gezwungen ihr Programm neu auszurichten. Sie gab dann aber 1992 mit «Midnight Flyer» ihren letzten und – in den Augen der heutigen Bandmitglieder – wohl besten Tonträger heraus. Wo bei den ersten Platten noch die Instrumentalleistung im Vordergrund stand, lag die Betonung inzwischen auf dem Ausfeilen des Harmoniegesangs, der ja den Klang des Bluegrass so einmalig macht.

Obwohl der Band ihre wichtige Rolle in der europäischen Bluegrass-Szene eigentlich nie so richtig bewusst war, wurde ihr im Jahre 2014 von der EBMA der Award als European Bluegrass Pioneers verliehen. Über diese verdiente Anerkennung ihrer Leistung freuten sie sich natürlich sehr. Dies um so mehr, als ein Jahr zuvor der Banjo-Picker Pete Stanley diesen Preis zugesprochen erhielt und sie somit auf dieselbe Stufe wie eines ihrer Vorbilder gestellt wurden.

Country Ramblers, 2014 Award der EBMA als European Bluegrass Pioneers, v.l. Martino Coppo, Urs von Arx, Roland Ambühl, Angelika Torrie

Die Band war und ist immer noch aktiv, obwohl Urs von Arx in den USA lebt, weshalb die Auftritte der Country Ramblers seltener geworden sind. Sie nutzten jeweils bei seinen Besuchen in seiner Schweizer Heimat die Gelegenheit für Auftritte. Er ist jetzt neuerdings pensioniert und wird sich bestimmt vermehrt in der Schweiz aufhalten. Seinen in vielen Jahren aufgebauten Lebensmittelpunkt in den USA mag er aber nicht ganz aufgeben. Wer aber die Gelegenheit erhält, ein Live-Konzert dieser legendären Band zu besuchen, sollte diese unbedingt nutzen. Tom Matejovsky, Urs von Arx, Roland Ambühl und Markus Fritzsche vermögen auch heute noch ihr Publikum zu begeistern.

So wie es aussieht, werden sie es aus verschiedenen Gründen in diesem Jahr nicht schaffen, ein Konzert zu ihrem 50-jährigen Jubiläum (!) zu organisieren. Wir werden das gerne auch im nächsten Jahr mit ihnen feiern! Die Mitglieder der Band haben enorm viel für die Bluegrass Musikszene in der Schweiz und ganz Europa geleistet. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch sonst haben sie viel für unsere Szene getan. So hat Roland Ambühl bis 2015 das Layout der SBMA News gestaltet. Sie sind seit Jahrzehnten Mitglieder somit ein Aushängeschild der SBMA. Darauf sind wir stolz.

Text: Beat Heri / Fotos: zvg

Country Ramblers, v.l. Tom Matejovsky, Roland Ambühl, Markus Fritzsche, Urs von Arx

Die Bluegrass Blossoms – Schweizer Bluegrass-Pioniere

4 Mai

Sie zählen zusammen mit den Country Pickers und den Country Ramblers zu den Legenden der Schweizer Bluegrass-Szene. Die Bluegrass Blossoms aus Bern waren eine Bluegrass-Band, die unzählige Bluegrass-Fans und Musiker in und um ihre Heimatstadt und in der ganzen Schweiz beeinflusst hat. Die Band war bekannt für ihre Vielseitigkeit. Während ihres Bestehens (1971-1982) spielten rund 200 Shows, oft an ungewöhnlichen Orten, im nationalen Fernsehen und Radio, und agierten 1976 als Back-up-Band für Charlie Moore auf seiner kurzen Schweizer-Tournee. In vielerlei Hinsicht war die Band typisch für europäische Bluegrass-Bands dieser frühen Zeit. Sie verdienen es, als Pioniere unserer Musik für ihre bahnbrechenden Beiträge anerkannt zu werden.

Die ersten Kontakte zwischen Heinz Kempa (*1953, Gitarre), Gérard Theiler (*1952, Mandoline) und Hans Holzherr (*1949, Banjo) wurden 1970 geknüpft. Heinz und Gérard waren alte Schulfreunde, und mit Hilfe einiger weniger Ramblin‘ Jack Elliott-Schallplatten begannen sie, Folk Music auf zwei Gitarren zu spielen. Der Soundtrack von «Bonnie und Clyde» sowie die durch einen gemeinsamen Freund vermittelte Begegnung zwischen Heinz und Hans (der eine Dillards-LP besass) führten zur Gründung der Bernese Three, die 1971 erstmals im Folk Club Bern öffentlich auftraten. Der aufblühende Folkboom und die Mahogany Hall in Bern stellten für das Trio und seiner Entfaltung ein wunderbares Setting dar.

Der Bandname wurde auf Bluegrass Blossoms geändert, bevor 1973 Mathias Baumann (*1950, Gitarre, lead vocals) zum Trio stiess. Heinz verliess im Mai desselben Jahres die Band wegen eines Auslandaufenthaltes, und Bänz Hadorn (*1942, Kontrabass) aus der Dixieland-Szene konnte fürs Mitmachen gewonnen werden. Damit  war im Juni 1973 eine der ersten Schweizer Bluegrass-Bands instrumental komplett bestückt.

Die Helden der Bluegrass Blossoms waren zu Beginn die Dillards, aber am nachhaltigsten liessen sie sich von den famosen Country Gentlemen beeinflussen. Die entsprechenden gesanglichen Möglichkeiten ergaben sich ab Mitte 1975, als das geboren wurde, was wir heute als die klassische Version der Bluegrass Blossoms betrachten: Als Nachfolger von Mathias spielte Tom Lochbrunner (*1952) die Gitarre und sang lead und tenor, Peter Greisler (*1952) spielte Fiddle und sang lead im mehrstimmigen Gesang, Hans Holzherr am Banjo sang baritone, Gérard Theiler spielte Mandoline und Bänz Hadorn Bass. Die Band sang mehrheitlich traditionellen Bluegrass, komponierte eigene Instrumentals und wurde auch für ihre Adaptionen von Bluegrass-fremdem Material geschätzt.

Die Besetzung veränderte sich nach fünf Jahren zum Quartett: zu Gérard und Bänz gesellten sich neu Mike Horowitz (*1947) an der Gitarre und Martin Stettler (*1959) am Banjo.

Während der Zeit ihres Bestehens gaben die Bluegrass Blossoms zwei LPs heraus (1977 «A Slice of Bluegrass»; 1980 «Eat It Up»; beide Covers zeigten originelle Kunstwerke ihres Fiddlers Peter Greisler, einem angehenden Zeichnungslehrer). Diese LP’s zählten zu den frühesten Tonträgern im Schweizer Bluegrass und beeinflussten und prägten stark die aufkommende Bluegrass-Szene in der Schweiz.

Zu den Höhepunkten in der Karriere der Bluegrass Blossoms zählte ein ausserprogrammmässiger Auftritt am Folkfestival Osnabrück 1972 sowie Auftritte an den bekanntesten Folk Festivals der 1970er Jahre in der Schweiz,  zum Beispiel am auf der Lenzburg??, in Liestal, in Epalinges, auf dem Bachtel und dem Gurten. Sie spielten zahlreiche Konzerte und Hootenannies in der legendären Mahogany Hall, in welcher auch Top Acts aus den USA wie die Country Gentleman, David Grisman, Byron Berline, New Grass Revival, Doyle Lawson, Seldom Scene, Lynn Morris, Laurie Lewis und viele andere auftraten. Dazu kamen Auftritte im Schweizer Radio und Fernsehen, in renommierten Hotels in den Schweizer Alpen, in vielen Folk Clubs und an Volksfesten.

Ihre instrumentalen Fähigkeiten sowie ihr Harmonie-Gesang waren erstklassig. Hans Holzherr war ein grossartiger Interpret von Bill Keiths Banjo-Stil und war mit dem berühmten Vorbild befreundet. Gérard Theilers Mandolinen-Virtuosität schloss das famose Crosspicking von Jesse McReynolds mit ein, und Bänz Hadorn spielte walking bass Passagen zu einer Zeit, in der die meisten Musikfans noch nie etwas von Tom Gray gehört hatten. Gérard gewann in den 1980er Jahren dreimal hintereinander den 1. Preis im Mandolin Contest an der Old Fiddler‘s Convention in Galax, Virginia und lebt seit den1980er Jahren in den USA.

Nach unzähligen Probestunden in der Mahogany Hall, rund 200 Auftritten und zwei Langspielplatten löste sich Bluegrass Blossom als Band im Dezember 1981 auf. Und doch leben sie in der Erinnerung vieler Schweizer Bluegrass-Fans der ersten Stunde weiter. Im Rahmen des 50jährigen Bestehens der Mahogany Hall veranstaltete der Folk Club Bern zwei spezielle Abende. Am 4. Dezember 2018 liessen Heinz Kempa,  Gérard Theiler, Hans Holzherr, Tom Lochbrunner, Peter Greisler, Bänz Hadorn und Mike Horowitz die Bluegrass Blossoms noch einmal aufleben.

Text: Beat Heri (Ergänzungen von Hans Holzherr und Bänz Hadorn) / Fotos: Archiv Bluegrass Blossoms

Saitenvirtuose – Siggi Strack

28 Mrz

In den 1980er Jahren gründete er die Bluegrass-Band Intro, mit der er als 16jähriger in Deutschland tourte. Seine Begeisterung für die Musik von Django Reinhardt weckte die Neugierde auf Jazz und Swing. Nach seinem Umzug in die Schweiz erweiterte er sein musikalisches Repertoire mit einer Big Band. Mit einer Zuger Coverband begleitete er zahlreiche Popcover mit Banjo, Gitarre und Mandoline.

Für seine aktuelle Band Blue Acoustic Flavour komponiert und arrangiert er Musik an der Schnittstelle zwischen Pop, Folk, Latin, Bluegrass und Alternative Country. Diese Kombination hat bei zahlreichen Konzerten viele Fans gefunden. Scheitern, Hoffnung, Geschichte, Alltag, Sehnsucht und Lebensfreude sind in den Liedern und Instrumentalstücken zu einem Klangkunstwerk verwoben.

Siggi, stammst Du aus einer musikalischen Familie?

Jein… meine Eltern waren musikalische Analphabeten. Aber mein Grossvater spielte klassische Geige, Saxophon und leitete eine Bigband. Ihn habe ich allerdings nie kennengelernt. Ob genetisch da etwas rüberkam weiss ich nicht… (lacht)

Seit wann spielst Du Musik?

Ich begann um 1978 im Selbststudium auf der Gitarre herum zu klimpern. Dann hörte ich oft Jean Marie Peschiutta (Detour, Free Wheelin), weil er in meiner Geburtsstadt Marburg/Lahn in Deutschland lebte. Er spielte unter anderem Banjo und ich war sofort von dem Instrument fasziniert. Das erste Stück, das ich hörte, war John Hartfords Steam Powered Aeroplane. Das wollte ich können! Jean-Marie war mit Truckee und allen Grössen der deutschen Bluegrass Community befreundet und öffnete mir die Ohren für David Grisman, Tony Rice, Tony Trischka, Jean-Marie Redon und vielen anderen. Nur die ursprüngliche Bluegrass- und Old-Time Musik blieb mir damals verwehrt. Mein bester Freund Uwe Fischer und ich gründeten im Alter von fünfzehn Jahren unser Duo und traten mit einem Repertoire von Bill Keith, der Nitty Gritty Dirt Band, den Byrds und von Country Gazette auf. Das Witzige daran war, dass wir einen zehn Jahre älteren Bassspieler fanden, der einen Führerschein besass. Mit ihm und dem Einverständnis unserer Eltern durften wir in frühen Jahren in ganz Deutschland spielen. Dabei lernte ich in München Mark Stoffel, der heute bei Chris Jones & The Night Drivers spielt, kennen und wir waren Anfang 80er zu viert unter dem Namen Intro weitgehend im süddeutschen Raum unterwegs. Nachdem Mark sich nur noch auf München konzentrieren wollte, hat sich Intro als Band aufgelöst und ich zog nach Stuttgart. Dort habe ich aber niemanden kennengelernt, der progressiven Bluegrass machen wollte. Es gab leider noch kein Internet und ich hörte für fünfzehn Jahre lang auf Musik zu spielen.

Was für Instrumente spielst Du?

Ich war immer fasziniert von Darol Anger und Mike Marshalls «The Duo» Album. Und darauf spielt Mike Mandocello. Ich habe vor fünf Jahren angefangen, dieses Instrument zu lernen. Da die Mandoline von der Orientierung her auf dem Griffbrett gleich ist, habe ich auch gleich angefangen dieses Instrument zu lernen. Hinzu kommt, dass ich in meinen Stücken oft bestimmte Sounds haben will. Deshalb beschäftige ich mich noch mit der E-Gitarre und dem Klavier.

In welchen Musik Genres hast Du Musik gespielt?

Als ich 1992 in die Schweiz kam, fragte mich eine Big Band für Tanzmusik an. Das war für mich ziemlich gewöhnungsbedürftig. Aber es war nach fünfzehn Jahren Bühnen- und Instrumentenabstinenz wieder der Einstieg in die Musik. Ich lernte dort auch Tessiner Lieder und tolle Menschen kennen.  Zwei Jahre später lernte ich die Musiker von Irish Coffee, die damals im Raum Luzern bekannte Irish Folk Rock Band, kennen und konnte dort Banjo spielen.

Bei einer Session traf ich dann Musiker mit Interesse für Rock und Folk. Mit Stefan Behler und einem weiteren Freund gründeten wir die Band Corona Blend.

Seit wann hast Du Deine eigene Band?

Nach dem Ausstieg aus Irish Coffee realisierte ich, dass meine Musikabstinenz mich musikalisch weitergebracht hatte. Ich hörte aktiv Klassik, Jazz, Klezmer und fand heraus, dass ich selber Instrumentalstücke schreiben konnte. Ich fühlte mich nach der Auszeit nicht verbraucht, sondern hungrig mit meinen Erfahrungen selbst Musik zu schreiben. Am Anfang war die Musik sicherlich stark beeinflusst von Béla Fleck & The Flecktones. Ich experimentierte mit Synthesizer und E-Banjo, realisierte aber schnell, dass für reine Instrumentalmusik der Boden sehr schwer zu bearbeiten ist.

Da ich ein Kunststudium gemacht habe, war es mir immer wichtig mich persönlich ausdrücken zu können. Neue Wege zu denken und zu gehen. Nicht zu reproduzieren, was andere vielleicht viel besser können oder schon -zig Mal gecovert haben. Ich suchte jahrelang – fast schon verzweifelt – nach Musikern, die meine Ideen teilen wollten. Dank Internet und einer Jamsession lernte ich Musiker kennen, die mich seit 2015 bei Blue Acoustic Flavour begleiten. 

Du spielst nicht eigentlich Bluegrass Musik. Wie nennst Du deinen Stil?

Transatlantic Music – Songs & Stories. Der Titel passt sehr gut, da wir Elemente der amerikanischen und europäischen Kultur kombinieren. Ich lebe in Europa und werde nie das amerikanische Lebensgefühl haben. Ich kann mich aber in verschiedene Musikstile einfühlen und Bluegrass, Latin, Irish mit eigenen Geschichten kombinieren.

Mit unserer Musik verstehe ich mich als Bindeglied zwischen Bluegrass-Freunden und Zuhörern, welche Bluegrass nicht kennen.  Ich erlebe oft, dass den Bluegrassern unsere modernen Songs gefallen. Gleichzeitig beginnen sich Zuhörer für Bluegrass Musik  zu interessieren, welche diese Musik bisher noch nicht kannten.

Siggi Strack & Blue Acoustic Flavour

Du schreibst viele eurer Songs selbst?

Ja, zusammen mit dem Neuseeländer Robert Jackson. Neben meiner Frau der zweite Lottogewinn in meinem Leben.

Wie kommst Du auf Deine Ideen, um eigene Stücke zu schreiben?

Als ich anfing mit Robert zu arbeiten, hatte ich eine riesige Sammlung an Instrumentalstücken und er eine Menge Geschichten. Ich erzählte ihm von meinen Stories und bat ihn darüber ein paar Strophen zu schreiben. Es hat sofort gefunkt. Es ist wie Ping-Pong spielen. Wir haben oft innerhalb von ein paar Tagen einen neuen Song. Darüber hinaus korrigiert er meine Aussprache und ersetzt Worte, die ich schlecht aussprechen kann und passt den Text meinen Fähigkeiten an.

Wie gehst Du beim Komponieren vor?

Ich hocke mich hin, klimpere herum und warte, dass die Muse mich küsst. Nein! Wenn der Text zuerst da ist, versuche ich den Charakter, die Stimmung zu ergründen und fange an Akkorde zu finden und etwas einzubauen, das ich spannend finde. Der andere Weg ist der, dass mir einfach eine Melodie einfällt. Ja, die Muse küsst mich manchmal und dann suche ich darüber Akkorde, die mir gefallen. Rebel Moon ist so ein Song. Ich war letztes Jahr in Irland und mir lief diese Melodie nach, immer wieder. Ich kaufte dort eine Gitarre und habe das Stück als Instrumental in Irland entwickelt. Robert hat dann innerhalb von drei Tagen einen wunderschönen Text dazu gemacht.

Was inspiriert Dich zu den Texten?

Wenn es um Ideen geht, glaube ich, dass ich angefangen habe mein Leben zu reflektieren. Persönlichkeiten, Menschen, Orte und Ereignisse, die mich in meinem Leben bewegt haben, bekommen einen Platz in meinen Songs. So gibt es Songs über die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo, Theodor Fontanes Brück’ am Tay, oder einen bewegenden Text über die Flüchtlingssituation vor zwei Jahren und das Ankommen in einer fremden Welt und wie wichtig es ist, Freundschaften zu schliessen und zu pflegen. Auch Dankbarkeit für das, was andere für einen getan haben findet Platz in meinen Texten.

Hast Du Pläne ins Studio zu gehen?

Oh ja. Schon seit drei Jahren. Ich habe mittlerweile Material für fünf CDs. Der Wegzug unserer Geigerin hat mich da etwas ausgebremst, weil ich mit einer intakten Band arbeiten wollte. Nun plane ich dies im Frühjahr/Sommer zu tun.

Siggi Strack & Blue Acoustic Flavour

Du hast seit neuestem einen neuen Fiddler? Wer ist er?

Ja genau. Nach langer Suche fand ich Gabriel Miranda Martinez ein toller Geiger aus Spanien. Er spielt unter anderem beim 21th Century Orchestra und war für uns die ideale Besetzung. Menschlich und musikalisch passt das einfach und das ist für mich wichtig.

Ich habe gehört, dass Du letztes Jahr bei Béla Flecks Banjocamp dabei warst.

Oh ja, ich musste mich dafür bewerben und durfte mit weiteren hundert weltweit ausgewählten Banjospielern eine Woche Unterricht bei Tony Trischka, Kristin Scott Benson, Mike Munford, Steve Cooley und natürlich Béla Fleck erleben.

Es war für mich ein absolutes Highlight. Nicht nur der Instruktoren wegen, sondern ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, musikalisch heimgekommen zu sein. Wenn Du mit den Amerikanern spielst, klingt es gleich richtig und sie verstehen was Du machst! Die wissen einfach wie es richtig tönen muss. Es ist ihre musikalische DNA.

In North Carolina wusste jeder sofort was ich meinte, wenn ich anfing über New Acoustic Music zu sprechen. Auch lernte ich zahlreiche neue Musiker kennen, mit denen ich heute immer noch Kontakt habe.

Wie sah denn das Programm im Banjocamp aus?

Das war sehr strukturiert! Morgens um sieben Uhr Körperwahrnehmung, um acht Frühstück, um neun Bélas Vortrag anschliessend Unterricht, Mittagessen, Unterricht, Abendshow und dann jammen bis morgens gegen zwei Uhr. Wer früher gehen wollte konnte dies natürlich. Jammen konnten wir mit den Steep Canyon Rangers, der Band des Komikers Steve Martin. Das war alles auf hohem Niveau.

…und was hat Dich dort am meisten beeindruckt?

Die Atmosphäre. Jeder ist offen und tauscht mit Dir Ideen, spielt mit Dir. Mit dem Banjobauer Tom Nechville sass ich tatsächlich bis morgens um zwei Uhr zusammen und wir jammten und hatten riesig Spass miteinander.

Musiker zu sein nimmt bei Dir offensichtlich einen sehr grossen Platz ein. In welchem Beruf arbeitest Du eigentlich im «bürgerlichen» Leben?

Ich darf Schülerinnen und Schülern im Fach Bildnerisches Gestalten als Lehrer die Kreativität entlocken.

Vielen Dank für das Interview! Ich wünsche Dir und Blue Acoustic Flavour in der Zukunft viel Erfolg!

Interview Beat Heri / Foto Ingo Höhn