Dies ist der ausführliche Artikel, auf den wir im SBMA News 127 hingewiesen haben.
Früher schleppte ich mehrere Bundesordner voller Songsheets zu jeder Jam-Session – mit wackeligen Notenständern und dem ständigen Risiko, dass alles krachend zu Boden fällt. Heute reicht ein Tablet. Ich habe mir die App «SongbookPro» genauer angesehen und verrate Euch, warum ich diesen Komfort nicht mehr missen möchte.
Im folgenden ausführlichen Bericht erfahrt Ihr alles über die wichtigsten Funktionen, die Kosten, die Unterschiede zwischen Einzel- und Gruppenlizenzen und bekommt zwei Exkurse, die Euch helfen, das ChordPro-Format zu verstehen und das passende Tablet für Eure Bedürfnisse zu finden.
Viel Spass beim Lesen!
Euer Tom Klingel
Digitale Notenmappe im Test: Mit SongbookPro wird der Notenständer zum Auslaufmodell
Schluss mit schweren Ordnern und wackeligen Notenständern! Ich habe mich auf die Suche nach der idealen digitalen Lösung für meine ständig wachsende Songsheet-Sammlung gemacht – und bin bei der App «SongbookPro» fündig geworden. Ein Erfahrungsbericht.
Vor einigen Jahren wurde es mir zu dumm, die verschiedenen Songsheets in Heft- und Buchform oder in Loseblattsammlungen mit mir herumzutragen. Ich kannte Kolleg:innen, die mehrere Bundesordner zu Jams mitschleppten, um sie dann auf sehr wackeligen Notenständern zu platzieren, damit sie später krachend zu Boden und vielleicht auf das abgestellte Instrument anderer Musiker:innen gingen. Ich übertreibe leider nicht! Ausserdem sahen Tablets in ihren Halterungen an Mikrofonständern schicker aus als Notenständer auf der Bühne. Klar – die Stücke auswendig zu können wäre auch ein Weg. Was aber tun, um die stetig wachsende Songsheet-Sammlung in den Griff zu bekommen, wenn das Merkvermögen nicht so gross ist?
Meine Wahl fiel auf ein iPad Pro (es hätte aber auch ein Tablet mit Android-Betriebssystem sein können, dazu später mehr im Exkurs) und auf Empfehlung einer Kollegin entschied ich mich für die App SongbookPro solo auf iOS. Sie kostet einmalig USD 7.-, und sie ist es, die ich hier bespreche. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass es für SongbookPro mittlerweile auch Gruppenlizenzen mit Kollaborationsfunktionen gibt (zum Beispiel für Bands), welche dann aber mit einem Abo-Modell und entsprechendem Preisplan hinterlegt sind (siehe Abbildung 2).
SongbookPro ist eine umfassende Lösung für alle, die ihre Musik in einem digitalen Format auf dem Notebook oder Tablet organisieren und verwalten möchten. Es baut dabei auf dem ChordPro-Format auf (einer Syntax zur Formatierung von Songsheets, die ich im Exkurs genauer erkläre) und bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche und eine Vielzahl von Funktionen, die das Erstellen, Verwalten und Organisieren von Songsheets (auch «Leadsheets» genannt) mit Texten und Akkorden erleichtern. Für reine Instrumentalstücke gibt es andere Apps, wie zum Beispiel iRealPro (einem Programm, das wir in einem der nächsten Hefte genauer vorstellen werden).
Als Betriebssysteme unterstützt werden Android, iOS (sowohl auf Smartphones als auch auf Tablets), Windows sowie Amazon Fire – nicht aber macOS. Wichtig zu wissen ist aber: Über den integrierten SongbookPro-Manager läuft es auch auf macOS. Wenn man ein Tablet mit der installierten App besitzt, braucht man auf dem PC oder MacBook keine separate Installation. Dazu später mehr.
SongbookPro bietet eine Vielzahl von Funktionen:
- Werkzeuge zum Erstellen und Editieren eigener Songsheets sowie deren Metadaten
- Festlegen von BPM, Tempo und Dauer der Songs, damit die App während des Spielens in der richtigen Geschwindigkeit scrollt oder umblättert
- Integriertes Metronom, das sich an die BPM des Songs anpasst. Das Metronom kann so konfiguriert werden, dass es einen akustischen und/oder einen visuellen Blinkindikator verwendet
- Gruppieren von Songs in Sets: einfaches Wechseln zwischen verschiedenen Songs bei Live-Auftritten
- Schnelle und einfache Schlüssel- und Kapodaster-Einstellungen: ideal für die schnelle Anpassung an die eigene Spielweise und Stimmlage
- Transponieren, um die Akkordlage anzupassen
- Importieren von Songs im ChordPro- oder Onsong-Format, PDF-Dokumenten oder direkt von den Webportalen UltimateGuitar.com, WorshipTogether.com und e-chords.com (dazu ist eine WLAN-Verbindung oder ein Hotspot mit dem Smartphone nötig). UltimateGuitar.com und e-chords.com haben sich insbesondere bei Jams bewährt, wenn ein Stück angesagt wird, das noch nicht in der eigenen Sammlung vorhanden ist. Meist müssen diese heruntergeladenen Songsheets aber noch korrigiert werden.
- Einfaches Teilen von Songs und Sets mit anderen SongbookPro-Nutzern, zum Beispiel über eine eigene Cloud-Anwendung
- Bequemes Editieren von Songsheets am PC oder Mac, mit Maus und Tastatur, indem man eine Verbindung im heimischen WLAN über den eingebauten SongbookPro-Manageraufbaut (siehe Abbildung 1), der eigentlich eine lokale, IP-basierte Webanwendung darstellt. So kann man auch mit einem MacBook Songsheets bearbeiten
- Unterstützung von Fusspedalen zum Umblättern etc. via Bluetooth-Verbindung
Ich möchte diesen Komfort nicht mehr missen: Allein die Fähigkeit, aus der App bei Ultimate Guitar und e-chords nach neuen Songs zu suchen (auch wenn sie oft nicht korrekt transkribiert wurden und nachbearbeitet werden müssen), ist für mich unbezahlbar.


ChordPro ist sowohl eine Darstellungssprache mit vorgegebener Syntax (vergleichbar zum Beispiel mit HTML) für digitale Songsheets, als auch eine Referenzimplementierung als Anwendung auf Windows, macOS und Linux-Derivaten. Das Prinzip der Syntax und der daraus resultierenden Darstellungen wird sehr gut auf der offiziellen ChordPro-Webseite erklärt. ChordPro erzeugt Songsheets in PDF und ist in der Lage, zwischen Tonarten zu transponieren – das ist übrigens die Stärke aller Anwendungen, die auf der ChordPro-Syntax aufbauen. ChordPro ist leider auf Tablets nicht zu gebrauchen, aber zum besseren Verständnis der Syntax sowie der Darstellungselemente für Songsheets wichtig.
Exkurs: Welches Tablet kaufen?
Das ist zugegebenermassen eine philosophische, wenn nicht sogar religiöse Frage! Ich möchte mich nur dahingehend äussern, dass für SongbookPro allein vermutlich ein älteres Tablet genügt, das man sowieso schon hat – oder ein preisgünstiges vom Discounter. Wenn man aber vor einer grundlegenden Neuanschaffung steht und mit dem Tablet mehr machen will, lohnen sich folgende Überlegungen:
Welches Smartphone benutzt man? Ein iPhone oder eines mit Android? Wenn man in der Apple-Welt zu Hause ist, wird vermutlich ein iPad mehr Synergien stiften. Es muss zudem noch erwähnt werden, dass die aktuellen Prozessorarchitekturen von Apple leistungsfähiger als alles andere sind (Stand 2025/2026; wer sich genauer informieren möchte, dem seien die ausführlichen Testberichte von Michelle Brändle bei digitec.ch empfohlen, die sich allerdings mehr auf Grafik und Bildverarbeitung konzentrieren). Aber diesen Overkill wird man nur nutzen, wenn man mit dem Pad auch Bild- und tonverarbeitende Aktivitäten plant, also zum Beispiel Video-Editing oder Recording. Auch hinsichtlich des Sounds sind iPads von hoher Qualität (ja, ich benutze meines auch zum Musik hören oder für Audio-Podcasts). Die Konkurrenz bietet allerdings im höheren Preissegment auch interessante Produkte – so zum Beispiel die Samsung Galaxy Tab S10 Ultra Serie mit noch grösseren Displays (14,6 Zoll – Apple hat im Vergleich «nur» 13 Zoll zu bieten). Gehört haben meine verwöhnten Ohren das Samsung S10 noch nicht, also ist es schwierig, Aussagen dazu zu machen. Allerdings gibt es in verschiedenen Foren durchaus kritische Äusserungen zum Sound sowie zur Akkulaufzeit der Samsung-Geräte – etwas, das ich von Apple-Produkten weniger kenne.
Fazit: Es bleibt schwierig, für alle Bedürfnisse das Richtige zu finden. Man prüfe bitte kritisch, bevor man sich an einen Hersteller bindet.
Wenn es zum Produkt weiterführende Fragen aus der Community gibt, beantworte ich diese gerne. Und wenn Ihr einen Erfahrungsbericht über eine von Euch favorisierte App schreiben wollt, die den Mitgliedern der SBMA empfohlen werden kann, seid Ihr hiermit ermuntert, dem Redaktionsteam einen solchen einzureichen.
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Weiterführende Links per QR-Code:
Für alle, die tiefer in die Materie einsteigen möchten, haben wir hier die wichtigsten Adressen als QR-Codes zusammengestellt:
ChordPro-Webseite: Ausführliche Einführung in die ChordPro-Syntax und die Referenzsoftware.
digitec.ch Testberichte: Die Artikel von Michelle Brändle zum iPad Pro 2024 und zum Samsung Galaxy Tab S10 Ultra.


